NEW WORK wird gnadenlos scheitern

Jörg Ristau

Eine schöne neue Arbeitswelt. Die Büros sind offen gestaltet, es gibt gesundes Essen in der Kantine, Rückzugsorte, Angebote für Homeoffice und Obst soviel man will. Die Stimmung ist gut. Alle fühlen sich wohl…

Die Hoffnung dahinter: Der Mitarbeiter ist motiviert und erledigt seine Arbeit selbständig und in top Qualität. 

Das einzige was fehlt: tiefes Vertrauen

Letztendlich muss der Chef doch kontrollieren. Schließlich ist er ja für die Ergebnisse verantwortlich. 

Neulich war ich auf einem Kongress zu dem Thema „New Work“. Auf der Bühne zeigte einer der Sprecher Bilder von seinem tollen neuen Büro und dem großen Bildschirm an dem bei Meetings alle gemeinsam in lockerer Atmosphäre sitzen. 

Von sich aus gab er zu, dass er letztendlich wichtige Entscheidungen nach wie vor allein trifft. Als ich aufstand und fragte warum das so ist, sagte er ehrlich: „Weil es schließlich mein Geld ist, das da ausgegeben wird.“

Daraufhin fragte ich: „Was ist denn jetzt im Vergleich zu früher der Unterschied? Was ist denn außer der neuen Atmosphäre dabei New Work? Diese Frage blieb unbeantwortet. 

Aus meiner Sicht ist das, was da gerade als neu verkauft wird, nichts anderes als alter Wein in neuen Schläuchen. 

Die finanziellen Anreize, das Eckbüro, der schöne Firmenwagen, der tolle Titel wurden getauscht gegen ein Firmenfahrrad, ein Fitnessstudio, gesundes Essen, Homeoffice….
Also nichts anderes als Etikettenschwindel! 

Ich empfinde das als höchst gefährlich! Wir bewegen uns gerade in unsicheren Zeiten. Komplexität, disruptive Veränderungen, die Digitalisierung, demographischer Wandel, immer öfter wird von Krise gesprochen. Und da gibt es immer noch diese „Supermänner“, die glauben alles alleine zu können. Sie glauben zu wissen, wie es geht und ohne sie geht gar nichts. 

Jetzt mal ehrlich – was ist jetzt anders als in der Zeit von „Old Work“?

Die komplex herausfordernden Zeiten werden nicht von ein paar „Supermännern“ gemeistert werden können. Was die Unternehmer, die Führungskräfte brauchen ist ein echtes Vertrauen in ihre Mitarbeiter!

Doch wie entsteht dieses tiefe Vertrauen?

Die Aufgabe von Führungskräften ist es ihre Mitarbeiter zu befähigen, nicht sie zu kontrollieren. 
Diese Befähigung liegt darin ein Feuer in ihnen zu entfachen. 
Ein Feuer das heller brennt als die persönlichen Interessen jedes einzelnen Mitarbeiters. 
Ohne diese natürliche Motivation, die von innen kommt, wird es bei der gewohnten Kontrolle bleiben müssen. 
Auf diese Weise können die komplexen Herausforderungen nicht mehr erfolgreich bewältigt werden. 
Die Führungskraft als Nadelöhr lähmt damit das System derart, dass es zu träge und zu langsam ist, um im Wettbewerb bestehen zu können. 

Tiefes Vertrauen in Entscheidungen der Mitarbeiter, ist die Voraussetzungen für erfolgreiche Unternehmen der Zukunft.

Die Zeit rennt

Disruptive Veränderungen haben die Eigenschaft sich nicht anzukündigen. Stehen sie vor der Tür ist es zu spät.

Erst jetzt mit einer Transformation im Unternehmen zu beginnen, wenn die Veränderungen sich nicht mehr vermeiden lassen, kann das AUS bedeuten. 

Eine nachhaltige Transformation der Unternehmenskultur dauert in der Regel zwischen 6 und 12 Monaten. 

Jeder Unternehmer ist darum gut beraten sofort damit zu beginnen. 

Unternehmensziele müssen `heiß´ sein

Die Unternehmensziele müssen so „heiß“ sein, dass die Mitarbeiter sie mit aller Kraft erreichen wollen. 

Nur so kann beispielsweise Homeoffice funktionieren.

Seit fast 20 Jahren arbeite ich mit den verschiedensten Unternehmern zusammen. Dabei ist mir stets aufgefallen, was einer Befähigung der Mitarbeiter im Weg steht: 

Brennt ein Unternehmer nicht für seine Sache, springt kein Funke auf den Mitarbeitern über. 

Die Kern-Motivation vieler Unternehmer liegt darin Geld, zu verdienen. Das ist schön und gut – und aus Sicht eines Unternehmers auch verständlich. Jedoch liegt darin kein echter Sinn.
Ein von innen heraus höchst motivierter Mitarbeiter, brennt nicht nur für sein Gehalt am Ende des Monats.
Von innen heraus motivierte Mitarbeiter arbeiten für einen echten Sinn. Etwas mit dem sie spürbar die Welt ein bisschen besser machen.  

Der Unternehmer muss selbst für seinen UnternehmensSinn brennen

Will man Unternehmen nachhaltig fit machen für die Zukunft, dann muss zuerst das Feuer in dem Unternehmer selbst brennen.

Ein Unternehmer muss auf ideeller Ebene wissen, WARUM er das tut, was er tut und das auch vorbildlich leben.

Wie soll auch nur einen Funken zu seinen Mitarbeitern überspringen, wenn in ihm kein Feuer für die Sache sichtbar ist?

Fazit

Beim Unternehmer, bzw. bei der Führungskraft liegt der Schlüssel für ein erfolgreiches, ein nachhaltig funktionierendes NEW WORK!
Mitarbeiter müssen zu Teilhabern des Erfolges werden.
Sie müssen zu „Unternehmern“ im Unternehmen werden.
Ein auf diese Weise funktionierendes NEW WORK ist die Voraussetzung dafür, die komplexen Herausfordernden Zeiten erfolgreich zu meistern.
Hätte es bei Kodak beispielsweise ein funktionierendes NEW WORK gegeben, hätten sie vermutlich mit der Entwicklung der Digitalfotografie ihr Geschäftsmodell gemeinsam erfolgreich transformiert.